von Julia Wiesner
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12. Februar 2026
Traber-Umschulung – vom Rennpferd zum Freizeitpferd Immer mehr ehemalige Renntraber finden ihren Weg in den Freizeit- und Reitsport. Sie sind leistungsbereit, sensibel und intelligent – bringen aber eine ganz eigene Vorgeschichte mit. Eine erfolgreiche Umschulung braucht deshalb vor allem Verständnis, Geduld und einen klaren Plan . Der Traber ist kein „rohes“ Pferd Ein häufiger Irrtum: "Traber müssen erst alles lernen." Tatsächlich haben sie sehr viel gelernt – nur eben etwas anderes: gleichmäßiger Zugkontakt Vorwärtsdenken Laufen im Tempo wenig Biegung klare, einfache Signale Die Umschulung bedeutet also nicht Neuanfang, sondern Umdenken . Die größten Umstellungsprobleme 1. Balance statt Tempo Im Rennsport trägt sich der Traber kaum selbst – er zieht. Als Freizeitpferd soll er plötzlich: langsamer gehen Last aufnehmen sich biegen den Rücken benutzen Das ist körperlich anstrengend und ungewohnt. 2. Galopp ist nicht selbstverständlich Viele Traber haben nie oder kaum im Galopp gearbeitet. Typische Probleme: falsches Angaloppieren Kreuzgalopp kurze, hektische Galoppsprünge Unsicherheit 👉 Galopp ist kein Ziel, sondern ein Ergebnis von Balance und Kraft . 3. Neue Hilfen verstehen lernen Gewichtshilfen, Schenkel, Sitz – all das kennt der Traber nicht. Er reagiert oft: verzögert übermotiviert oder scheinbar „stur“ In Wahrheit fehlt ihm nur die Übersetzung. Der richtige Weg der Umschulung 1. Zuerst der Körper, dann die Lektionen Bevor man „reiten“ will, muss der Traber: Muskulatur aufbauen lernen geradeaus zu laufen Vertrauen entwickeln Spaziergänge, Bodenarbeit, lange Zügel und lockeres Longieren sind ideal. 2. Schritt und Trab sind wichtiger als Galopp Ein ruhiger, losgelassener Schritt und ein ausbalancierter Trab sind die Grundlage. Besser: viele Übergänge große Linien häufige Handwechsel Als: schnelle Fortschritte erzwingen 3. Geraderichten ist Schlüsselarbeit Fast alle Traber sind deutlich schief. Ohne Geraderichtung entstehen: Rückenschmerzen Taktprobleme Galoppschwierigkeiten Seitengänge im leichten Rahmen, Stangenarbeit und korrektes Biegen sind hier Gold wert. Ausrüstung bewusst wählen Traber reagieren sensibel auf Druck. Bewährt haben sich: einfache oder doppelt gebrochene Trabergebisse Kombinationen mit Spielkette ruhige, gleichmäßige Zügelhand 👉 Ziel ist Verständnis , nicht Kontrolle. Geduld zahlt sich aus Ein Traber braucht oft: mehr Zeit mehr Wiederholungen klare, faire Hilfen Dafür bekommt man: ein ehrliches arbeitsfreudiges loyales Freizeitpferd Viele Traber blühen in der Umschulung regelrecht auf – wenn man ihnen die Zeit gibt. Fazit Die Umschulung vom Renn- zum Freizeitpferd ist kein schneller Weg, aber ein sehr lohnender. Wer versteht, woher der Traber kommt , kann ihm zeigen, wohin er gehen darf. Nicht mit Druck – sondern mit Geduld, Klarheit und Respekt.